item2 item2a item2b item2c     
item1

 

Können Banken richtig rechnen? - Gedanken aus dem Jahr 2007 kurz vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer

Das wollen wir zwar alle hoffen, vor allem natürlich von der Bank, der wir die Regelung unserer Geldgeschäfte anvertrauen, aber manchmal und in Einzelfällen kann man doch nicht frei von gelinden Zweifeln bleiben. Da platziert eine überregional tätige Genossenschaftsbank in ihrem zweimonatlich erscheinenden Kundenmagazin im Juli/August-Heft 2006 unter die fette Überschrift Vorsicht - MWSt-Falle einen Artikel, der mit den Worten beginnt In einem halben Jahr wird alles teurer - um mindestens 3%. Und diese Feststellung wird im Text dann wiederholt, natürlich nicht nur, um den Kunden zu informieren, sondern auch in der durchaus legitimen Absicht, ihn zu Anschaffungen noch im Kalenderjahr 2006 - möglichst unter Inanspruchnahme eines Bankkredits - zu veranlassen.

Nun mögen manche erstaunt sagen, dass das doch völlig korrekt sei, da doch schließlich die Mehrwertsteuer um 3 Prozentpunkte erhöht wird. Aber die Schwierigkeit der Prozentrechnung liegt in der Beachtung des jeweiligen Grundwerts, auf den sich der Prozentsatz bezieht. Also:

Statt 116/100 muss man nun 119/100 des Grundwerts zahlen, das ist eine Erhöhung der Preise um 3/116, also 2,58..%.

Die Mehrwertsteuer wurde von 16/100 auf 19/100 erhöht, das ist eine Steuererhöhung um 3/16, also um 18,75%.

Zwar könnte man gegenüber der Kritik an der Formulierung im oben genannten Kundenmagazin bemerken, dass der Handel die gesteigerte Mehrwertsteuer voraussichtlich zum Anlass allgemeiner Preiserhöhungen oder zumindest Begradigungen nach oben verwenden wird, und insofern tatsächlich eine Preissteigerung um mehr als 3% zu erwarten sei. Allerdings wird im genannten Artikel gerade unter Hinweis auf solche Erhöhungen darauf beharrt, dass selbst ohne diese alles 3% teurer werde.

Möglicherweise erscheint vielen der Unterschied zwischen 3% und knapp 2,6 % so unerheblich, dass man ihn vernachlässigen kann. Dann erstaunt allerdings die Höhe der Jubeltöne von Banken in ihrer Werbung, wenn sie beispielsweise den Kunden anstelle von bisherigen Festgeldzinsen von 2,25% nun 2,5% anbieten können.

Aber vielleicht kann man ja beim Aushandeln von Krediten erfolgreich gegenüber der Bank ins Feld führen, dass Differenzen von ca 0,5%-Punkten offenbar als unwesentlich angesehen werden.

Oder könnte es sein, dass in den Banken und Sparkassen überhaupt nicht mehr gerechnet wird, sondern dies alles Tabellen und Programmen überlassen wird, ohne dass der Rechenweg verstanden und wenigstens gelegentlich nachvollzogen wird? Bei dieser Vision schaudert es

Klaus-R. Löffler

item2 item2a item2b item2c